Welcher Schreibtyp bist du?

Die Antwort darauf ist beim Schreiben deines Buches vielleicht wichtiger, als du denkst.

Brauchst du Richtung, Aufbau und vielleicht sogar einen Plan für jede größere Wendung deiner Geschichte? Kannst du erst beginnen, wenn du weißt, wohin alles führt? 
Oder verlierst du genau dort den Zugang? Weil sich festzulegen wie eine Pflichtübung wirkt?

Vielleicht willst du auch einfach vorankommen, hast keine Geduld für endlose Vorbereitungen, aber auch keine Lust auf Chaos, vielleicht nimmst du aber auch jeden Satz ernst, spürst, wenn ein Dialog nicht stimmt oder wenn eine Szene noch nicht funktioniert. Du musst deine Figuren fühlen und willst mehr wissen als das, was an der Oberfläche liegt?


Egal, mit welcher Beschreibung du dich am ehesten identifizierst: All diese Arten zu schreiben sind richtig. Sie brauchen nur unterschiedliche Wege.
Vielleicht brauchst du einen Rahmen, damit deine Kreativität frei wird, vielleicht schreibst du aber auch besser, wenn du eine Szene spüren, eine Figur hören oder ein Bild vor Augen haben kannst. Manche Autorinnen und Autoren entdecken ihr Buch nicht vor dem Schreiben, sondern währenddessen.

Möglicherweise brauchst du auch nur klare nächste Schritte, die sichtbaren Fortschritt zeigen und so das Gefühl geben, dass aus deiner Idee auch wirklich ein Buch wird. Oder einen Anhaltspunkt, wann es genug ist, um nicht Gefahr zu laufen, nie fertig zu werden. Oder aber du musst vielleicht einfach herausfinden, was unausgesprochen bleibt, um deine Geschichte erst richtig zu verstehen.


Das Problem beginnt oft dort, wo du versuchst, nach einer bestimmten Methode zu arbeiten, die nicht zu dir passt. Eine Bauchschreiberin wird nicht automatisch disziplinierter, nur weil sie eine starre Kapitelstruktur bekommt. Ein Planer wird nicht freier, nur weil er „einfach mal loslassen“ soll. Eine Perfektionistin braucht nicht weniger Anspruch, sondern einen Weg, diesen Anspruch so einzusetzen, dass er ihr gerecht wird und sie nicht aufhält.


Deshalb ist dein Schreibtyp keine nette Nebensache. Er kann der Unterschied zwischen einem Projekt sein, das immer wieder steckenbleibt, und einem Buch, das Schritt für Schritt Form annimmt.


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Warum klassische Schreibtipps nicht immer funktionieren

Viele Ratschläge zum Thema Schreiben klingen mit Sicherheit vernünftig.


  • Schreib jeden Tag.
  • Plane deine Handlung vorher.
  • Lass dich treiben.
  • Setz dir feste Wortziele.
  • Überarbeite erst am Ende.
  • Entwickle deine Figuren, bevor du beginnst.


Das Problem ist nicht, dass diese Tipps falsch sind, sondern dass sie selten benennen, für wen genau sie funktionieren.

Für manche Schreibende ist ein tägliches Wortziel motivierend, weil es Klarheit schafft. Für andere wird es zu einem Druck, der jede innere Verbindung zum Text zerstört. Wenn du von Szene zu Szene hüpfst und gerne dort schreibst, wo es gerade passt, bringt dich eine detaillierte Struktur von A-Z von Beginn an nicht weiter, weil du durch zu viel Planung jene Spannung verlierst, die dich überhaupt erst an den Schreibtisch bringt.

Wenn du intuitiv schreibst, brauchst du irgendwann Abstand und Struktur, um aus vielen starken Einfällen eine tragfähige Geschichte zu formen. Wenn du sehr strukturiert schreibst, musst du dagegen aufpassen, dass der Text nicht nur logisch funktioniert, sondern auch lebendig bleibt. Als emotionale Autorin oder emotionaler Autor brauchst du Wege, um Nähe und Distanz zu wechseln. Wenn du aber effizient arbeitest, solltest du gezielt Raum für Tiefe einplanen. Als Perfektionistin oder Perfektionist brauchst du klare Momente, in denen dein Text gut genug sein darf.

Es geht also nicht darum, diese eine perfekte Methode zu finden. Es geht darum, eine Methode zu finden, die zu deiner Art zu schreiben passt.

Die fünf Schreibtypen

Natürlich ist kein Mensch nur ein Typ. Die meisten Schreibenden tragen mehrere Anteile in sich. Trotzdem gibt es Grundmuster, die zeigen, wie jemand an ein Buch herangeht, wo die eigenen Stärken liegen und an welchen Stellen der Schreibprozess besonders leicht ins Stocken geraten kann.

Der Strukturierte Planer

Du brauchst ein Gerüst, bevor du dich in den Text fallen lassen kannst. Eine Geschichte beginnt für dich nicht nur mit einer Stimmung oder einer einzelnen Szene – du möchtest den Zusammenhang erkennen. Möchtest wissen, worum es geht, welche Entwicklung deine Figuren durchlaufen, welche Wendepunkte wichtig sind und wie die einzelnen Teile ineinandergreifen.
Deine Kreativität arbeitet am besten, wenn sie eine Richtung hat. Ein klarer Aufbau gibt dir Sicherheit, weil du in Bögen, Funktionen, Motiven und Entwicklungen denkst. Du willst nicht nur schreiben, sondern Geschichten bewusst erschaffen.
Deine Stärke liegt darin, dass du den roten Faden erkennst und halten kannst. Dadurch verlierst du dein Ziel nicht so schnell aus den Augen. Gleichzeitig kann genau diese Stärke zur Hürde werden, wenn du zu lange vorbereitest, anstatt mit dem Schreiben zu beginnen.

Der Kreative Bauchschreiber

Ein zu enger Plan kann dich ausbremsen, weil deine besten Ideen oft erst entstehen, wenn du bereits mitten in einer Szene bist. Du brauchst Freiheit, Bewegung und die Möglichkeit, dich überraschen zu lassen.
Vielleicht beginnst du mit einem Bild, einem Satz, einer Figur oder einem Gefühl. Du weißt noch nicht alles, aber genau das reizt dich. Deine Texte leben davon, dass sie nicht vollständig durchkonstruiert wirken, denn du hast ein großartiges Gespür für spontane Wendungen, lebendige Szenen und Momente, die sich echt anfühlen.
Deine Stärke ist der kreative Fluss. Du kannst Geschichten beginnen, ohne sie vorher festzunageln. Deine Herausforderung liegt meist nicht im Anfang, sondern im Weiterführen. Irgendwann müssen aus Funken Verbindungen werden. Aus Szenen muss eine Richtung entstehen. Aus Intuition braucht es eine Form, die dein Buch trägt, ohne deine Freiheit zu ersticken.

Der Effiziente Pragmatiker

Du willst nicht ewig über das Schreiben nachdenken. Du willst schreiben. Für dich ist ein Buch ein kreatives Projekt, aber eben auch ein Projekt, das umgesetzt werden soll, deshalb brauchst du klare Etappen, überschaubare Aufgaben und sichtbaren Fortschritt.
Du arbeitest gern zielgerichtet. Nicht unbedingt starr, aber mit Fokus. Du willst wissen, was als Nächstes zu tun ist, weil zu viele Möglichkeiten dich eher bremsen als beflügeln, also brauchst du keine überladenen Methoden, sondern Werkzeuge, die dich voranbringen.
Deine Stärke ist deine Umsetzungskraft. Du triffst Entscheidungen, schließt Aufgaben ab und bringst dein Projekt voran. Deine Herausforderung liegt darin, nicht nur schnell zu sein, sondern auch Tiefe zuzulassen. Manche Szenen brauchen einen zweiten Blick, manche Figuren einen Moment mehr. Nicht alles, was effizient entsteht, ist auch wirklich fertig.

Der Detailverliebte Perfektionist

Du hast ein feines Gespür für Qualität. Sprache, Rhythmus, Wirkung und Genauigkeit sind dein Ding. Du merkst nicht nur, wenn ein Satz noch nicht stimmt, du hörst auch Zwischentöne, denn du willst nicht einfach Seiten füllen, sondern einen Text schreiben, der wirklich funktioniert.
Deine Geschichten können Tiefe, Präzision und eine besondere sprachliche Kraft entwickeln. Du nimmst deine Texte ernst und willst, dass eine Szene nicht nur ungefähr funktioniert, sondern wirklich sitzt. Gleichzeitig kann dich dieser Anspruch daran hindern, deine Geschichte wirklich zu beenden. Wenn jeder Satz zu früh perfekt sein muss, wird der erste Entwurf schwer. Wenn jede Szene noch besser werden könnte, wird Abschließen schwierig. 
Dein Weg liegt nicht darin, weniger sorgfältig zu sein, sondern darin, die richtigen Phasen für deine Sorgfalt zu entdecken.

Der Emotionale Erzähler

Für dich beginnt eine Geschichte nicht nur mit Handlung, sondern mit innerer Wahrheit. Du schreibst nicht nur, damit etwas passiert, du möchtest die Sehnsüchte, Wunden, Beziehungen und Widersprüche deiner Figuren verstehen und spürbar machen.
Deine Texte leben von Nähe, Atmosphäre und von emotionalen Bewegungen, die Leserinnen und Leser nicht nur wissen lassen, was eine Figur erlebt, sondern warum sie was fühlt. Deine Stärke liegt in der Tiefe von Geschichten. Figuren werden bei dir lebendig, weil du sie nicht als Funktionen behandelst, sondern als Menschen.
Deine Herausforderung liegt oft darin, der emotionalen Fülle eine klare Form zu geben, denn Gefühle allein ergeben noch keine Handlung. Du brauchst eine Methode, die deine emotionale Kraft mit einem tragenden roten Faden verbindet.

Dein Haupttyp ist nur der Anfang

Viele Schreibende erkennen sich nicht nur in einem Typ wieder. Vielleicht brauchst du Struktur, schreibst aber trotzdem stark aus dem Gefühl. Vielleicht bist du intuitiv, hast aber einen perfektionistischen Anteil. Vielleicht willst du effizient vorankommen und merkst gleichzeitig, dass deine Figuren mehr Tiefe brauchen.
Genau diese Mischung ist oft entscheidend.

Ein Haupttyp zeigt, wie du grundsätzlich an Geschichten herangehst. Ein Zweittyp zeigt, welcher Anteil deinen Schreibprozess zusätzlich prägt. Dadurch wird das Bild genauer. Eine Emotionale Erzählerin mit strukturiertem Anteil braucht einen anderen Weg als eine Emotionale Erzählerin, die vor allem intuitiv schreibt. Ein Effizienter Pragmatiker mit starkem Planungsanteil arbeitet anders als jemand, der schnell schreibt, aber kaum vorausdenkt.

Beim Buchschreiben geht es selten um starre Kategorien, sondern um ein besseres Verständnis dafür, was dich weiterbringt und was dich ausbremst.

Was dein Schreibtyp über deinen Weg zum Buch verrät

Wenn du deinen Schreibtyp kennst, erkennst du schneller, welche Art von Einstieg dir hilft.


Vielleicht brauchst du am Anfang keine vollständige Kapitelübersicht, sondern eine starke Szene. Vielleicht brauchst du keine freie Schreibübung, sondern eine Logline. Vielleicht musst du zuerst die zentrale Emotion deiner Hauptfigur finden, vielleicht brauchst du eher eine klare Etappe, damit aus der Idee ein Projekt wird.
Auch die späteren Schritte verändern sich dadurch.

Ein strukturierter Typ wird anders mit demselben Szenenplan umgehen als ein intuitiver Typ. Ein emotionaler Typ wird Figuren anders entwickeln als ein pragmatischer Typ. Eine Perfektionistin braucht andere Überarbeitungsimpulse als jemand, der zu schnell über wichtige Details hinweggeht.

Deshalb hilft es wenig, alle Autorinnen und Autoren durch dieselbe Methode zu schicken. Wer ein Buch fertig schreiben will, braucht nicht nur Motivation, sondern einen Weg, der zur eigenen Arbeitsweise passt.

Vom Schreibtyp zum Schreibprozess

Ein guter Schreibprozess beginnt nicht mit Druck, er beginnt mit Orientierung.


  • Welches Buch möchtest du schreiben?
  • Welches Thema trägt deine Geschichte?
  • In welchem Genre bewegt sie sich?
  • Für wen schreibst du – und für wen nicht?
  • Welche Figuren stehen im Zentrum?
  • Welche Beziehungen treiben die Handlung?
  • Welche Schauplätze geben deiner Geschichte Atmosphäre?
  • Welche Szenen bringen die Story wirklich weiter?


Diese Fragen sind nicht für alle Schreibtypen gleich wichtig und müssen auch nicht in derselben Reihenfolge beantwortet werden. Für dich entsteht der Zugang vielleicht über die Figur, für andere über die Struktur, wieder für andere über eine Szene, einen Ort, einen besonderen Konflikt oder das Ziel.

Wichtig ist einfach, dass aus der Idee ein lebendiges Projekt mit Figuren, Schauplätzen, Szenen und einem Manuskript wird, das nicht irgendwo nebenbei entsteht. 
Ein Roman besteht nicht nur aus Text, er besteht aus Entscheidungen, Verbindungen, Momenten und vielem mehr. Konflikte entwickeln sich erst, Figuren beeinflussen einander an verschiedenen Orten, die Atmosphäre schaffen und am Ende entstehen daraus Szenen, die Spannung zeigen und in einem Rahmen aufeinander aufbauen.
Je besser dein Schreibprozess zu dir passt, desto leichter wird es für dich, diese Teile zusammenzuführen.

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So beginnt dein Buch nicht mit einer leeren Seite, sondern mit einem klareren Blick auf dich selbst als Autorin oder Autor.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Es sind stets alle Geschlechter gleichermaßen gemeint.